Vereinschronik der Freiwilligen Feuerwehr Defersdorf

 

 

Am 11. November 1929 wurde durch den damaligen Ortsvorsteher Konrad Oetterich eine Bürgerversammlung einberufen, mit dem Ziel eine dieser neuen Motorspritzen anzuschaffen. In Defersdorf war bis zu diesem Zeitpunkt nur eine der damals üblichen Pumpspritzen, die noch von Hand bedient werden musste, vorhanden. Diese im Jahre 1887 von der Fa. Engelhard gefertigte Spritze wurde später dem Roßtaler Heimatmuseum als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Im Jahre 2003 wurde sie von der

Defersdorfer Wehr zurückgeholt und in mühevoller Arbeit wieder originalgetreu restauriert.

 

Ausgangspunkt der Bürgerversammlung war eine in Großweismannsdorf stattfindende Vorführung einer neuen Motorspritze. Dabei waren auch etliche Defersdorfer Mitbürger anwesend. Diese waren von der neuen Spritzengeneration so begeistert, dass sofort beschlossen wurde, eine solche Vorführung auch in Defersdorf durchführen zu lassen.

 

Wie aus dem Versammlungsprotokoll hervorgeht, wurde die Anschaffung einer solchen Motorspritze von den Bürgern beschlossen. Der Preis für diese neue Spritze belief sich auf 3830 Mark, für damalige Verhältnisse kein Pappenstiel, zumal als zusätzliche Investition die Anschaffung von Schläuchen für 340 Mark beschlossen wurde. Die Kosten wurden im wesentlichen aus der Ortskasse, sowie durch einen gemeindlichen Zuschuß bestritten.

 

Da die Bedienung dieser neuen Spritze eine gewisse Ausbildung und auch Übung erforderte, wurde nach längerer Diskussion beschlossen, gleich eine eigene Wehr zu gründen. Sämtliche Defersdorfer, die zu diesem Zeitpunkt in der Gemeindewehr Großweismannsdorf Dienst verrichteten, schlossen sich der neugegründeten Wehr an.

Vier Wochen nach dieser Gründungsversammlung, am 10. Dezember 1929, fand man sich erneut zusammen, um den Verwaltungsrat zu wählen.


Dieser setzte sich wie folgt zusammen:

Vorstand:  Blödel Johann
Kommandant: Renner Johann
Adjudant: Oetterich Konrad
Schriftführer: Meyer Johann


Die weiteren Gründungsmitglieder:

Bettschnitt Christoph                         
Bettschnitt Georg

Endres Georg

Grillenberger Adam

Grillenberger

Hegelheimer Johann

Hörndler Georg

Hörndler Paulus

List Georg
Oetterich Georg

Ostertag Georg

Schüssel Johann
Schwab Georg
Wimmer Adam
Winter Georg
Zimmermann Georg
Zimmermann Johann



Unter der Führung von Vorstand Blödel und Kommandant Renner konnte schon bald eine gut ausgebildete Truppe formiert werden. Nach und nach wurden Uniformen, Schlauchhaspel und weitere Ausrüstungsgegenstände angeschafft. Um eine ausreichende Wasserversorgung sicherzustellen, wurde zusätzlich ein Feuerwehrweiher angelegt.

 

Ihren ersten Einsatz hatte die neugegründete Wehr am 12. März 1930, als die Holzschüpfe von Vorstand Blödel in Flammen stand. Da zu diesem Zeitpunkt die neue Motorspritze noch nicht ausgeliefert war, musste die Brandbekämpfung noch mit der alten Handspritze vorgenommen werden, demzufolge beschränkte man sich darauf, den Brandherd lediglich unter Kontrolle zu halten.

In den nächsten Jahren wurde die Wehr zu Bränden in Buchschwabach (Hier brannte die Mühle von Michael Kreß), sowie zu einem Scheunenbrand nach Kleinweismannsdorf zu Hilfe gerufen.

 

Im Jahre 1936 verlor die Freiwillige Feuerwehr Defersdorf ihre Selbständigkeit. Wie auch andere Vereine fiel sie der politischbedingten Gleichschaltung aller Vereine zum Opfer.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1936 wurde die FFW Defersdorf zusammen mit anderen Ortswehren in die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Großweismannsdorf eingegliedert. Selbständig wurde die Wehr erst wieder nach dem Ende des II. Weltkrieges. Bis dahin existierte sie formell nicht mehr.

Auch Defersdorf wurde vom Krieg nicht verschont und so mussten auch hier im Lauf der Zeit die meissten Mitglieder in den Krieg ziehen. Auf Anordnung des Landratsamtes musste die Einsatzbereitschaft der örtlichen Wehren jedoch sichergestellt sein. Man sah sich deshalb gezwungen, auch weibliche Feuerwehrmitglieder aufzunehmen. Unter der Leitung von Erhard Gsänger, der für die Freiwillige Feuerwehr Großweismannsdorf in Defersdorf verantwortlich war, taten folgende Frauen Dienst bei der Feuerwehr:

 

Endres Elise                                    
Gruber Babette

Gruber Gretl                                       
Gruber Marie

Hahn Elise                                          
Hörndler Anna

Ostertag Babette                                
Roth Anna

 

Nach Kriegsende erfolgte die Neugründung der Wehr im Jahre 1946. Bei der ersten General-Versammlung, am 21. Dezember 1946 wurde Georg Bettschnitt zum Kommandanten gewählt. Vorstand wurde der bisherige Kommandant Erhard Gsänger. Die Wehr hatte zu dieser Zeit 29 aktive Mitglieder. Erwähnenswert ist hier noch, dass in der Versammlung beschlossen wurde, einen Mitgliedsbeitrag in Höhe von DM 6,-- zu erheben.

 

Von Brandeinsätzen blieb man in der Folge weitgehend verschont. Erst im Jahre 1955 mußte man wieder zu einem Großbrand nach Buchschwabach ausrücken. Dort war im Anwesen Arnsperger eine Dreschmaschine in Brand geraten, so dass binnen kurzer Zeit die Scheune in hellen Flammen stand.

Nach dem Rücktritt des Kommandanten Georg Grillenberger im Jahre 1956 wurde Georg Böhm als neuer Kommandant gewählt.

 

 

Kasse

Im Jahre 1959 traten der langjährige Vorstand Erhard Gsänger, sowie Kommandat Georg Böhm zurück und Georg Köppendörfer nahm als Vorstand und Kommandant die Geschicke der Wehr in die Hand. Diese Wahl, die gleichzeitig einen Generationswechsel darstellte, sollte die Zukunft der Wehr langfristig prägen. Mit Kommandant Köppendörfer wurde deutlich, dass die Aufgaben der Feuerwehr als einziger Verein im Ort sich nicht nur auf Hilfseinsätze, sondern auch auf den Zusammenhalt der gesamten Ortsbevölkerung erstrecken muss. So wurde im selben Jahr im Mai mit einer großen Feier das 30-jährige Gründungsfest der Wehr gefeiert. Bei diesem Anlaß wurde durch Landrat Heinrich Löffler, Kreisbrandinspekteur Georg Schwab und Bürgermeister Konrad Galsterer das neue Gerätehaus und die neue Motorspritze seiner Bestimmung übergeben.

 

Nicht weniger bedeutsam für die Defersdorfer Wehr war das Jahr 1962. Damals konnte ein neuer Gerätewagen in Betrieb genommen werden, der von unserem Feuerwehrkameraden Georg Sitzmann gestiftet wurde. In einer großen Feierstunde wurde ihm von der Wehr die Ehrenmitgliedschaft verliehen und Bürgermeister Galsterer ernannte ihn zum Ehrenbürger der Gemeinde Großweismannsdorf.

 

Im Jahre 1969 wurde auf dem Feuerwehrgerätehaus ein Glockenturm mit einer elektrischen Glocke gebaut, damit im Dorf weiterhin zum Gebet geläutet werden konnte.

 

Einen weiteren Brandbekämpfungseinsatz hatte die Defersdorfer Wehr im Jahre 1969 zu verzeichnen. Durch einen Blitzschlag war die Scheune der Familie Götz in Großweismannsdorf in Brand geraten.

 

Zur Jahreswende 1973/74 trieb ein Brandstifter in der Gegend sein Unwesen. Aufgeschreckt durch einige Brände in näherer Umgebung, wurde beschlossen, nachts Feuerwachen aufzustellen. Alle aktiven Mitglieder der Wehr wurden hierzu herangezogen und liefen paarweise in der Nacht Streifgänge.

 

Am 3. Januar 1976 legte Georg Köppendörfer aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Kommandant nieder, 10 Jahre später gab er auch das Amt des 1. Vorstandes der Wehr ab. Damit ging eine fast 30jährige Ära zu Ende, in der Georg Köppendörfer die Wehr entscheidend prägte. Für seine großen Verdienste, sowohl innerhalb der Wehr, als auch zum Wohle der Dorfgemeinschaft, wurde Georg Köppendörfer am 14.02.1986 zum Ehrenvorstand ernannt.

 

Am 16. November 1979 wurde in kleinem Rahmen die Feier zum 50jährigen Gründungs-Jubiläum begangen.

 

Mit der Wahl des bisherigen Stellvertreters Leonhard Meyer zum Kommandanten wurde wieder eine neue Ära bei der Freiwilligen Feuerwehr Defersdorf eingeläutet.

In regelmäßigen Abständen von 2 Jahren wurde jetzt der Ausbildungsstand der Wehr durch Ablegung der Leistungsprüfung dokumentiert. Teilweise bis zu 3 Gruppen stellten sich der Prüfung. Mit Stolz blickt man in der Wehr darauf zurück, dass bis zum heutigen Tage noch jede Gruppe sofort erfolgreich bestanden hat.
Über Echteinsätze war auch weiterhin zum Glück nicht viel zu berichten. So wurde die Wehr zweimal zu Hochwassereinsätzen nach Buchschwabach alarmiert, wo im Juni 1986 der Keller im Anwesen Elektro-Peipp vollgelaufen war und im Januar 1982

mußte im Anwesen Löblein eine Überschwemmung beseitigt werden.

Im Mai 1984 wurde die Wehr zu einem Verkehrsunfall auf der Straße nach Weiler gerufen. Dort war ein Auto in den Schwallbach geschleudert und dabei war Öl ausgelaufen.


Im Juli 1989 mußte die Wehr einen Brand in der eigenen Ortschaft bekämpfen. Ein Stoppelfeld war in Brand geraten. Unter Mithilfe der örtlichen Bauern, die mit ihren Güllefässern über den Brandherd fuhren, gelang es jedoch den Brand ziemlich schnell einzudämmen.

Im Zusammenhang mit dem Sturm „Wiebke“ wurde die Wehr 1990 zu größeren Aufräumarbeiten herangezogen.


Schlimm war auch im Jahre 1994 ausgerechnet am Kirchweihsonntag ein Wasserrohrbruch in der Dorfmitte. Um die Wasserversorgung im unteren Dorf (und damit auch im Wirtshaus) zu gewährleisten, wurden von der Wehr über 600 Meter Schlauch verlegt.

 

Unter Leonhard Meyer und auch Lorenz Stürmer, der 1986 zum Nachfolger von Georg Köppendörfer zum Vereinsvorstand gewählt wurde, trat die Feuerwehr, die ja der einzige Verein im Ort war, auch immer mehr ihre Rolle als örtliche Gemeinschaftsinstitution an.

Ein Höhepunkt war sicher die 60-Jahr Feier der Freiwilligen Feuerwehr Defersdorf, die vom 02. bis 04. Juni 1989 stattfand und zusammen mit der 650-Jahr Feier unseres Ortes gefeiert wurde.


1981 wurde erstmals ein Vereinsausflug durchgeführt. Dieses verlängerte Wochenende wurde in den folgenden Jahren ein fester Bestandteil im Jahresplan der Wehrund war stets mit rund 50 Mann ausgebucht.


Auch das Feuerwehrgrillfest, das erstmals 1979 gefeiert wurde, ist jedes Jahr am Tag vor Himmelfahrt mittlerweile Kult geworden.


Am 17.09.2000 wurde der neue Dorfplatz mit Dorfbrunnen eingeweiht, den die Feuerwehr mit sehr viel Eigenleistung gestaltete. Der neue Dorfbrunnen wurde aus einer großzügigen Spende des Feuerwehrkameraden Günther Schuld finanziert.


Da in der Zwischenzeit sehr viele junge Leute der Feuerwehr beitraten, trat die Wehr in den 90er Jahren auch mehrmals im Jahr bei Fussballturnieren auf. Der größte Erfolg hier war zweifellos die Erringung der Landkreismeisterschaft der Freiwilligen Feuerwehren des

Landkreises Fürth im Jahre 1993.

 

Am 31. Januar 2001 legte Leonhard Meyer nach rund 27 Jahren als Kommandant sein Amt nieder, um im Hinblick auf die kommende 75-Jahr Feier einem Nachfolger die Gelegenheit zum Einarbeiten zu geben.

Leonhard Meyer wurde im Oktober 2001 zum Ehrenkommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Defersdorf ernannt.

 

Als Nachfolger zum Kommandanten wurde der bisherige Stellvertreter Alfred Grillenberger gewählt. Neuer Stellvertreter wurde Oliver Endreß.

 

Am heutigen Tag hat die Wehr 30 aktive Feuerwehrmitglieder, damit ist fast jeder vierte Einwohner des Ortes in der Feuerwehr.